Besondere Menschen
Frau Dr. med. Gansz war unsere Kundin. Vom September 2010 bis zu ihrem Versterben  im März 2013 haben wir sie begleiten dürfen.

Als wir sie kennenlernten lebte sie seit einigen Monaten in einem Pflegeheim. In fremden Möbeln, ohne die Dinge, die ihr wichtig waren. Ihre Wohnung hatte sie verlassen - doch trennen wollte sie sich noch nicht davon. Diese Entscheidung konnte sie nicht ohne Hilfe treffen.

Wir haben ein Pflegeheim gefunden, in dem sie ankommen wollte. Wir haben ihre Wohnung aufgelöst und ihr geholfen, ein Zimmer einzurichten, in dem sie sich wohlfühlen konnte.

Wir haben uns aber auch darum gekümmert, dass sie im Notfall nicht alleine war. Da sie keine Familie mehr hatte, Vertrauen gewachsen war, hatten wir die Ehre, dass sie uns in ihrer Patientenverfügung, in der Betreuungsverfügung und in ihrer Vorsorgevollmacht als Bevollmächtigte einsetzte.

Wie wichtig dieser Schritt war, mussten wir im Dezember 2012 erfahren
.

Im Pflegeheim gab es Probleme. Überlastetes Personal bemerkte eine entstandene Sepsis nicht. Daran wäre Frau Dr. Gansz. fast verstorben. In der Zeit danach brauchte sie besondere Pflege. Aber die erhielt sie nicht. Immer wieder wurden Tabletten vergessen, falsche Medikamente gegeben - Frau Dr. Gansz. hatte Angst.

Sie beauftragte uns, ein neue Zuhause für sie zu suchen. Diesen Wunsch besprachen wir auch mit der Heimleitung.

Was dann passierte, war für alle unfassbar. Das Pflegeheim stellte einen Antrag auf Betreuung. So sollte verhindert werden, dass Frau Dr. Gansz das Haus verließ.

Eine Gutachterin kam, wurde als ehrenamtliche Betreuungskraft vorgestellt, und unterzog Frau Dr. Gansz einer Befragung.
Dies verweigerte Frau Dr. Gansz natürlich - sie war nicht der Mensch, der sich gern in die Karten schauen ließ.
Später fiel sie aus allen Wolken als sie erfuhr, dass sie begutachtet worden war.
Das Ergebnis: im Oktober 2012 stellte die Gutachterin fest, dass Dr. Gansz rückwirkend seit 2010 nicht geschäftsfähig gewesen sein konnte. Als Zeugen für diese Aussage führte die Gutachterin immer wieder die Heimleitung und die Pflegedienstleitung des aktuellen Heimes an.

Diese Erfahrung beschleunigte ihren Entschluss, zeitnah aus diesem Pflegeheim auszuziehen. Bereits einige Tage später traf sie die Entscheidung und kündigte den Pflegevertrag fristgerecht. Als unmittelbar nach der Kündigung, sie erneut und wiederholt falsche Abendmedikamente bekam und ihr auch noch 2 Pelzmäntel aus ihrem Zimmer gestohlen wurden, teilte sie der Heimleitung mit, dass sie 2 Wochen vor dem Ablauf der Kündigungsfrist das Haus verlassen würde.

Das Pflegeheim war nun noch motivierte, benachrichtigte erneut die Gutachterin, die am Sonnabend im Pflegeheim zu einer neuen Begutachtung zu gleichem Ergebnis kam.
Man teilte Frau Dr. med. Gansz daraufhin mit, dass sie nun das Haus nicht mehr verlassen dürfe.

Das war Blödsinn: natürlich konnte Frau Dr. Gansz ihren Aufenthalt frei bestimmen. Wir haben sie geholt: am Sonntag nahm ein toller Heimleiter die Medizinerin in seinem Haus auf.

Mit Hilfe eines Rechtsanwaltes wurde anschließend die Betreuung  verhindert: alle Verfügungen, die Frau Dr. G. getroffen hatte, waren rechtsgültig.

1 Woche vor ihrem Tod hatte sie es schriftlich: Keine Betreuung notwendig!

Am 25. März ist sie verstorben. Am 28. März haben wir sie bestattet.

Frau Dr. med. Gansz, ich werde Sie nicht vergessen.

Ihre Beate Schuhmacher
Kursana 014 ganz klein
  © 2018 - aktiv älter - Beate Schuhmacher  |  erstellt mit easyCMS